Michael Patterson-Carver, „Somadrine“, 2011
Mischtechnik auf Papier, 38 x 51 cm



Als der damals Obdachlose Michael Patterson-Carver 2006 von dem Künstler Harrell Fletcher vor einem Lebensmittelladen in Portland auf seine bunten, emblematischen Zeichnungen von Anti-Kriegsdemonstranten angesprochen wurde konnte der 1958 in Chicago, Illinois, geborene Autodidakt kaum erahnen, dass nur knapp zwei Jahre später seine Arbeiten im New Museum in New York zu sehen sein sollten. Massimiliano Gioni, Kurator des New Museums beschreibt die Arbeiten Patterson-Carvers sowohl als Zelebrierung der amerikanischen Demokratie - seine Demonstranten stehen gerne dauerlächelnd im Bild - als auch das Porträt eines Amerikas, in dem Bürgerrechte mit Füßen getreten werden.

Als Kind in den frühen 60er Jahren wuchs Patterson-Carver inmitten einer aktiven Protestkultur auf, die mit der Occupy-Bewegung eine Renaissance erlebt und heute weiterhin konsequent sein Werk inspiriert. Zentralmotiv seiner Farbzeichnungen sind mal zeitgenössische linke, mal historische Bürgerrechtskämpfe und in letzter Zeit zunehmend Allegorien der Zerstörung oder komplexen Verschwörungstheorien, in denen er gerne politische Figuren wie George W. Bush oder Osama bin Laden darstellt. Seine Kunst sieht er als eine persönliche Form des politischen Aktivismus, sich selber bezeichnet er als politischer Flüchtling.

Fast kindlich in seiner zweidimensionalen Einfachheit wirkt die Naivität der Bilder Patterson-Carvers trügerisch: die politische Konfrontation - zuversichtlich- grinsende, linke Demonstranten vs. dämonische, rechte Demagogen - scheint manchmal moralisierend, doch die seltsame, fast surreale Mischung aus Wut und Unschuld fängt ein Wechselbad von Hoffnung und Unterdrückung ein, das irritiert und nachhaltig prägt. Das Ergebnis seines Werkes ist eine feine, seltsam obsessive Chronik der Dissidenz, die gleichzeitig komisch, ironisch und zutiefst menschlich ist.
Zuletzt wurden die Arbeiten des zurzeit in Nordkalifornien lebenden Patterson- Carvers in Einzelausstellungen bei Laurel Gitlen (New York), Timothy Taylor (London), Laurent Godin (Paris), Sorry We’re Closed (Brüssel) und White Columns (New York) gezeigt. Die Arbeiten des Künstlers sind weltweit in renommierten Sammlungen vertreten wie z.B. im Museum of Everything (London), dem American Folk Art Museum (New York) und in den Städtischen Sammlung der Stadt Paris.

Die Galerie Susanne Zander zeigt die erste Einzelausstellung des Künstlers in Deutschland.