Geboren 1896 in Steinach (Deutschland). Nach eigenen Aussagen hatte sie bereits im Alter von
vier Jahren erste Visionen. 1923 wanderte sie in die USA aus, arbeitete dort als Dienstmädchen, Näherin, Wäscherin und
Küchengehilfin. Sie heiratete und gründete eine Familie. Sie wurde ein bekanntes Medium und nahm Heilungen vor.
Seit 1951 begann sie zu zeichnen, es entstanden zahlreiche automatische Zeichnungen, in denen sie als Medium fungiert.
In ihren Arbeiten scheinen durch abstrakte Formen und graphische Zeichen unzählige geisterhafte Gesichter hindurch.
Einsamkeit und Witz
Agatha Wojciechowsky hat eine große Zahl von Zeichnungen und Aquarellen hinterlassen. Sie hat Zeit ihres Lebens an spiritistischen
Sitzungen teilgenommen, und so wie sie dabei in Kontakt mit den unsichtbaren Strömen der Wirklichkeit getreten ist, sollen auch die
meisten ihrer Zeichnungen entstanden sein, mit geschlossenen Augen aufs Papier gebracht, im Blindflug sozusagen, der Kohle- oder
Bleistift von unsichtbaren Mächten geführt, mal hastig, mal vorsichtig tastend, und immer ein bißchen ungelenk.
Viel mehr ist von der Künstlerin nicht bekannt. Das Geburtsjahr liegt ebenso im Dunklen wie ihr Sterbedatum. Die meisten der Zeichnungen,
die sie hinterlassen hat, sind in den Fünfziger Jahren bis zum Ende der Sechziger Jahre datiert. Und schließlich weiß man noch, dass
Agatha Wojciechowsky eine Weile in den USA gelebt hat.
Doch muss man etwas wissen aus dem Leben der Künstlerin, um Bilder zu verstehen, die wie die Gestalten nächtlicher Träume vor Augen
treten: dunkel, schemenhaft, in rätselhafter Verwirrung. Unzählige Menschenfiguren sind in den Kompositionen miteinander verwoben,
kleben aneinander und gehen auseinander hervor wie die unerschöpflichen genauen und ungenauen Bilder der Erinnerung. Verstohlene
Gesichter wachsen wie unheimliche Fratzen aus den verschlungenen Szenerien heraus - verloren, verzweifelt oder heiter, in den
vielfachen Facetten einer Verwandlung, die ein Gesicht untrennbar mit allen anderen verbindet. Darin starren die Augen der Toten
auf die Lebendigen, indem diese sich in ihrer zukünftigen Vergangenheit erkennen.
Häufig werden die Figuren zusammengehalten von einer Grundgestalt, die wie ein Fels aussieht. Wo sie mit Kohle gezeichnet hat,
ist das Verschwommene, ungenau im Prozess des Erinnerns (oder bei der "Kontaktaufnahme" des Mediums), das Charakteristische.
Wo sie mit Tusche und Feder arbeitete, bestimmt der Schwung der unruhigen Linie, die in einer unaufhörlichen Bewegtheit sich
selber sucht, die Bild-Erfahrung. So wird nachvollziehbar wie sich ein Strich als Folge auf einen anderen allmählich zu Gestalten
entwickelt, die etwas sichtbar machen, von dem man zuvor nicht wußte, daß es überhaupt in einem steckte. Genau das ist auch der
Zauber, der von einem 'Medium" ausgeht, das den Kontakt zu den Toten einer Vergangenheit aufzunehmen imstande ist, die in uns allen
wirksam ist.
Schon die Surrealisten suchten in ihren automatischen Zeichnungen die Nähe zu außersinnlichen Wahrnehmungen und physikalisch
unerklärbaren seelischen Wirkungen. Und während die kuriosen Stimmen und Zeichen der '"Medien" und Hellseher ihre Faszination
vor allem darüber beziehen, dass sie sich sogleich wieder entziehen, zeigen Zeichnungen wie die von Agatha Wojciechowsky schwarz
auf weiß, wie es mit viel Fingerspitzengefühl und auf verschlungenen Pfaden möglich ist, längst vergessene und nie bewusste Regungen
aus den verborgenen Gefilden unseres Seelischen ins taghelle Wachbewusstsein zu holen.
Jürgen Kisters

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ohne Titel, Undatiert
Kreidezeichnung auf Papier, 60,5 x 45,3 cm

ohne Titel, 1952
Bleistiftzeichnung auf Papier, 33,7 x 24,7 cm

ohne Titel, 1965
Bleistiftzeichnung auf Papier, 30 x 23 cm

ohne Titel, 1953, Monogrammiert
Bleistiftzeichnung auf Papier, 30 x 22,5 cm

ohne Titel, 2.5.1953
Bleistiftzeichnung auf Papier, 25,3 x 19,8 cm

ohne Titel
Kreidezeichnung auf Papier, 60,5 x 45,3 cm

ohne Titel
Mischtechnik auf Hartfaser, 30 x 45 cm |