Geboren in Schweinfurt. Er zeigte bereits im frühen Kindesalter Interesse für Malerei, das vom Vater in
heimischen Malstunden gefördert wurde. Er besuchte nur ein Jahr die Schule und wurde aufgrund seiner Schwierigkeiten, sich sozial zu integrieren,
1965 in eine psychiatrische Klink eingewiesen. Seit 1987 malt er im Atelier der Klinik, wo er Objekte, meist Pistolen, Bomben, und Gewehre aus
Fundstücken und demontierten Sanitäranlagen mit Hammer, Zange anfertigt oder mit der bloßen Hand biegt.
In seinen Bildern zeichnet und malt er oftmals erlebte Geschichten, Wünsche, Hoffnungen und Alltagsereignisse. die durch die Verbindung von Schrift
und Bild zu einer Gesamtaussage kommen. Grundsätzlich unterscheidet er drei Kategorien von Bildern: wahre Bilder, Lügenbilder und wirklich wahre
Bilder. Diese sind teils Ausdruck real erlebter Szenen, imaginärer Wünsche oder bedrohlichen Ängsten.
Wahre Bilder, wirklich wahre Bilder und Lügenbilder
Warum einer Malt, geht stets zurück auf eine verschlungene persönliche Geschichte von Erfahrungen. Wolfgang Hueber, der seit 1965 in einer
psychiatrischen Anstalt in Bayern lebt, antwortet auf die Frage nach seinem Lebenslauf: "Von der Geburt 1950 bis jetzt, 1988 Lebenslauf
Wolfgang Hueber". Jetzt ist es 2002, und es hat Reihe von Ausstellungen mit seinen Bildwerken und Objekten gegeben. Und, was ungewöhnlich
ist für Künstler der sogenannten Art Brut, es zeichnet sich sogar eine (malerische) Entwicklung ab.
Hueber, der vor Jahren noch vor allem sich selbst und vorwiegend nackt mit Onanierphantasien in seinen Bildern malte, hat sein bildnerisches
Spektrum längst auch auf andere Themen ausgedehnt: das Märchen von der Königstochter, der 7. Streich von Max und Moritz, Rotkäppchen. Es sind
neue Größenverhältnisse und neue Ding - Ansichten hinzugekommen. Seine Bilder sind malerischer geworden, gekonnter, weil er sich mittlerweile
als "Künstler" versteht. Er hat seinen eigenen Arbeitsraum in der Anstalt und durch den Verkauf seiner Bilder besitzt er genug Mittel, um immer
Malmaterial zur Verfügung zu haben. Hueber wird nicht angeleitet, sondern malt aus freiem Antrieb.
Handelten die frühen Arbeiten Huebers vor allem von "schlimmen Taten", zumeist mit Blick auf seine Eltern, zeigen die neuen Bilder eines "neues
Selbstbewußtsein". Die hilflose Nacktheit ist verschwunden; der Künstler als Hauptdarsteller zeigt sich nunmehr bekleidet. Die Bilder (auf Leinwand
und Papier) sind nahezu alle eine Mischung aus Wörtern und bildlichen Elementen. Vielfach erscheinen die Geschehnisse überlagert, einige Buchstaben
sind immer spiegelverkehrt. Manche Bilder sind als "Lügenbilder", andere als "Wunschzettelbilder" konzipiert. Ganz grundsätzlich unterscheidet er
drei Kategorien von Bildern: "wahre Bilder", "wahrlich wahre Bilder" und "Lügenbilder", sind dieeinen Ausdruck von realen, erlebten Szenen, zeigen
die anderen Ereignisse von besonderer Bedeutung. Und die dritten thematisieren seine Träume und Hoffnungen, die er so , als Lüge getarnt, überhaupt
formulieren kann. Gegenstände, die sich greifen lassen (z.B. Klobrillenhalter, Alufolie, ein Holzgriffmesser) stoßen im malerischen Prozeß auf Dinge,
welche die Einbildung prägt (z.B. Pistolen, Kanonen).Was wie die Versatzstücke einer wirr durcheinandergeratenen Seele daherkommt ( "Braf dich",
"Lob", "Ich", "Dich", "Zukunft wirklich") enthüllt bei genauer Betrachtung einen dicht verflochtenen (zwingenden) Zusammenhang.
Neben den Bildern hat Hueber schon immer Fundstücke aller Art zu künstlerischen Objekten verwandelt. Schon in seiner Jugend zeigte er eine bis
heute andauernde Faszination für die Demontage und Umarbeitung sanitärer Anlagen. Besonders Rohre, Klobrillen und Türklinken dienen ihm als
Materialien für seine plastischen Arbeiten. Mit Hammer, Zange und der bloßen Hand biegt er diese am Schraubstock zu "Waffen" um. Pistolen,
Gewehre und Bomben bestimmen das Formrepertour seiner Objektkunst (wie sie auch Motive seiner Zeichnungen und Bilder sind). Für ihn sind die
Waffen Fundstücke, die seiner Verteidigung dienen sollen. Mehrere Hundert davon in den letzten Jahren entstanden, die er zum Teil in
"Wegschmeißaktionen" in der Donau versenkt. So wie er schon als Kind fasziniert von der Gewalt des Feuers war, ist Wasser für ihn eine elementare
Kraft, welche die Dinge grundsätzlich anders machen. Verwandlung ist sein Thema, eingezwängt zwischen "Neu - Gier" und Angst, immer wieder zum
Ausbruch gebracht in neuen Phantasien der Wiederholung.
Huebers Kunst wie überhaupt Kunst dieser Art, lehren uns sensibler auf die Erfahrung eines anderen Menschen zu schauen. Keine Seele läßt sich
auf anhieb entziffern; es bedarf der Einfühlung und einiger Geduld. Es ist wie die Deutung eines Traumes. Und Hueber selbst veranschaulicht das
in einem hervorragenden Bild: sein mit einer decke zugedeckter Körper liegt auf dem Bett, und über ihm erhebt sich ein gezeichnetes vielfach
ineinander verschlungenes Gespinst aus Figuren, Zeichen und Wörtern. In unserer Seele berühren sich Himmel und Abgrund, und das nicht nur,
wenn man in einer Anstalt lebt.
Jürgen Kisters

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„Wie ich unkeusch war“, 13. Juli 1990
Ölkreide, Bleistift auf Papier, ca. 50 x 70 cm

„Hoffnungs Daheim Aufwach Billd“, 24.3.1997
Mischtechnik auf Leinwand, ca. 122 x 102 cm

„Mein Unglückstag“, Undatiert
Ölkreide, Bleistift auf Papier, ca. 50 x 70 cm

„Grigx Bild von Berlin“, 2004
Acryl und Graphit auf Hartfaser, 62,5 x 48,5 cm

„Wirklich wares Bild“, 2003
Acryl und Graphit auf Sperrholz, 43 x 31,5cm

„Albert Hueber - Wolfgang Hueber“, 2002
Graphit und Acryl auf Malpappe, 30 x 40cm

„Gregenhofener Messerklingen“, 18.10.04
Acryl und Graphit auf Hartfaser, 40 x 30cm

„Kokakola“, 17.07.2004
Graphit und Acryl auf Sperrholz, 25 x 33cm

„Übermutbild“, 14.10.02
Graphit auf Holz, 56,5 x 20,5cm

„Könixtochter“, 14.12.1992
Mischtechnik auf Papier, ca. 50 x 70 cm

„Bauschuttbilld“, 20.5.1998
Mischtechnik auf Leinwand, 56,5 x 57 cm

„Bauschuttbilld“, 20.5.1998
Mischtechnik auf Leinwand, 56,5 x 57 cm |