In der internationalen Tattoo-Szene genoss der im letzten Sommer verstorbene Herbert Hoffmann (* 1919) seit längerem den Status einer Legende, vor allem durch sein Schaffen in der 1961 von ihm eröffneten Tätowierstube in St. Pauli, die „Ältesten Tätowierstube Deutschlands“. Nun kann sein Name auch in ausgeweitetem Kunstkontext vernommen werden. Denn im Herzen war Herbert Hoffmann immer ein Sammler: ein Sammler von Motiven, von Menschen und ihren Geschichten. Ein Sammler von Biografien. Als Werkzeug diente ihm seine Kamera.
Die Ausstellung in der Galerie Susanne Zander zeigt diese Bilder: Portraits tätowierter Menschen, die zwischen 1878 und 1952 geboren sind. Viele Jahre hat der Hamburger die Tätowierten dieser Generationen photographiert und ihre Lebensgeschichten notiert. Mit seinen einzigartigen Photos nimmt der Amateurphotograph Hoffmann den Betrachter mit auf eine Zeitreise zurück ins Nachkriegsdeutschland und gewährt einen faszinierenden Einblick in ein Kapitel verdrängter Kulturgeschichte von Outsider am Rande der Gesellschaft.
Allein als Fotograf hat sich Hoffmann nie betrachtet – das geben auch seine s/w Portraits wieder, denn dem Beobachter entschließt sich beim betrachten seiner Bilder ein Blick jenseits des einfachen Modell-Fotograf Verhältnisses: Hoffmann zeigt sein Gegenüber direkt, unverschlossen, auch mal schonungslos, immer aber mit Respekt, Sympathie und Würde. Die von ihm verfassten Begleittexte enthüllen die Lebensumstände des Sujets, beschreiben das erste gemeinsame Treffen oder erzählen eine Anekdote aus dem Leben der portraitierten Person. Das Ergebnis ist ein umfassendes „Fototagebuch“, dessen Einträge, vorrangig zwischen den 50er und 70er Jahren entstanden, als wahres Zeitdokument fungieren. Sujetwahl, Systematik wie auch Dichte seines Werkes lassen demzufolge leicht auf Parallelen zum Schaffen August Sanders schließen.
Herbert Hoffmann wurde 1919 in Freienwalde, Pommern geboren. Er besuchte die Schule in Berlin und verbrachte seine Lehrjahre in Stettin. Zum Kriegsdienst eingezogen, kehrte er 1949 nach vierjähriger Krieggefangenschaft in Lettland nach Deutschland zurück, wo er erst im Alter von 30 Jahren die Tätowierung „am eigenen Leibe“ erlebte.
Biographie
1919 geboren in Freienwalde
1961 Gründung der „Ältesten Tätowierstube Deutschlands“ in Hamburg/ St. Pauli
Erste Reisen als Fotograf
1981 Übergabe des mittlerweile legendären Tätowiergeschäfts an seinen Neffen
2002 Entdeckung des fotografischen Werkes und Veröffentlichung des Buches „BilderbuchMenschen“
2005 erste Museumsausstellung
2010 in der Schweiz gestorben
Einzelausstellungen (Auswahl)
2010 Herbert Hoffmann, Galerie Susanne Zander, Köln
2010 St. Pauli Souvenirs, Galerie Gebr. Lehmann, Berlin
2006 Unter die Haut. Fotografie u. Tatauierkunst des Herbert Hoffmann, Museum für Völkerkunde, Dresden
2004 Glaube Liebe Hoffnung, Galerie Gebr. Lehmann, Dresden
2003 BilderbuchMenschen. Erinnerungen an 100 Jahre Tattoogeschichte, Galerie Grauwert, Hamburg
Gruppenausstellungen (Auswahl-Museum, Köln)
Weisser Schimmel. You can observe a lot by watching, Sammlung Falckenberg, Hamburg
Nude Visions. 150 Jahre Körperbilder in der Fotografie, Museum der bildenden Künste, Leipzig
2009 Tattoo. Die Geschichte des Tätowierens, Dillenburger Museumsverein
2008 transgressive body/ reincarnated flesh, Artspace Tape Modern, Berlin
Skinscapes. Die Kunst der Körperoberfläche, Marburger Kunstverein, Marburg
2006 Signs & Surfaces. Andreas Fux, Herbert Hoffmann, Ali Kepenek, Künstlerhaus Bethanien, Berlin
Mensch! Photographien aus Dresdner Sammlungen, Kupferstichkabinett, Staatliche Kunstsammlung Dresden
2005 YES YES YES YES. Differenz und Wiederholung in Bildern der Sammlung Olbricht,
Museum Morsbroich, Leverkusen
2004 Schräge Typen und leichte Mädchen, Multiple Box, Hamburg

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Herbert Hoffman, "Eheleute Richard Wulkow"
28,5 x 28,5
 
Herbert Hoffman, "Flottenbesuch in Hamburg"
28,5 x 28,5
 
Herbert Hoffman, "Franz Kranwetvogel"
28,5 x 28,5 cm
 
Herbert Hoffman, "Karl Oergel"
28,5 x 28,5 cm
 
Herbert Hoffmann, "Emma u. Otto Manischewski"
28,5 x 28,5c
 
Herbert Hoffmann, "Jakob Acker"
28,5 x 28,5 cm
 
Herbert Hoffmann, "Wilhelm Wedekämper"
28,5 x 28,5cm |