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Ein Kölner Geschäftsmann führt akribisch Buch über den Verlauf einer Affäre: der Geschlechtsverkehr mit Fräulein B. um 17:00, die leere Pillenpackung, die Speisekarten der Hotelbar, das Datum der letzten Abtreibung; Frau H. errechnet in ihrer „Hurenvernichtungsstatistik“ die von ihr im Geiste vernichteten Prostituierten in Bottrop, in Castrop Rauxel und in Brühl; ein Unbekannter konzipiert utopische Landschaftsarchitekturen der Zukunft. Ein Schriftzug verkündet: „Grüner Garten! Grüner Garten! Grüner Garten!“
„artist unknown“ zeigt Arbeiten verschiedener anonymer Künstler die zwischen den 30er und den 70er Jahren tätig waren: Ihre Biografien bleiben, da wo vorhanden, fragmentarisch; ihre Intentionen, wenn existent, unausgesprochen. Die Ausstellung umfasst verschiedene Genre (Fotografien, Zeichnungen, Objet trouvé, Textarbeiten, etc.) und präsentiert mal einzelne Werke, mal ein komplettes Oeuvre – der Urheber bleibt stets unbekannt.
Die Ausstellung wirft somit Fragen auf über die Auffassung von künstlerischen Arbeiten jenseits von gängigen, kunstmarkttypischen Mechanismen: wie wichtig ist Künstlerego, Preisbildung, sowie vorgefertigte, einem bestimmten Kunstkontext zugeordnete Qualitätsurteile. Die Auswahl wurde hier denselben, fachüblichen kuratorischen Kriterien unterzogen, die auch im üblichen Ausstellungskontext von Gültigkeit sind: die Qualität der Werke steht an vorderster Front. Gleichzeitig tritt hier der anonyme Autor in Anbetracht seiner künstlerischen Arbeit in den Hintergrund. Vom Betrachter wird Eigenständigkeit verlangt: frei von vorgefertigten Kategorien soll er selber die Grenze zwischen Kunst und Nichtkunst ziehen.
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